Zum Tod unseres Freundes Jürgen Mischur - von Harald Karutz
Verfasst: 02.02.2026, 20:24
Harald Karutz hat geschrieben: ↑01.02.2026, 13:57 Liebe Community,
es tut mir sehr leid, in Absprache mit den anderen Admins des Nordstadt-Forums an dieser Stelle schreiben zu müssen, dass Jürgen Mischur am 1. Februar 2026 verstorben ist.
Jürgen war ein außergewöhnlicher Modellbauer, ein liebenswerter und stets hilfsbereiter Mensch – vor allem aber war er ein sehr guter Freund. In der Szene des Feuerwehrmodellbaus dürfte es niemanden geben, der die unglaublich exakt, detailliert und vor allem unlackiert gebastelten Modelle der fiktiven, geradezu legendären Feuerwehr Nordstadt nicht kennt und der diese Modelle nicht xfach bewundert hat.
Feuerwehrmodellbau war Jürgens Lebensinhalt, und er hat ein ganz besonderes Leben geführt. Nach seinem relativ frühen Ausscheiden aus dem beruflichen Alltag konnte er sich viele Jahre lang voller Freude und ganz in Ruhe seiner großen Leidenschaft widmen. Zuletzt hat Jürgen allerdings mit immer stärkeren gesundheitlichen Belastungen und Einschränkungen zu kämpfen gehabt. Schon längere Zeit ging es ihm überhaupt nicht mehr gut. Er war körperlich deutlich eingeschränkt, sein „Aktionsradius“ und damit auch sein unmittelbares soziales Umfeld wurde kleiner und kleiner. Ablenkung fand er zuletzt in einem neuen Hobby – Gebäudemodellbau aus Klemmbausteinen. Verstorben ist Jürgen nun an den Folgen einer Krebserkrankung.
Für mich war Jürgen ein väterlicher Freund, in mancher Hinsicht auch ein Vorbild und auf jeden Fall jemand, der meine Jugendzeit wesentlich geprägt und beeinflusst hat. Angefangen hat alles mit Berichten im Blaulicht-Fahrzeugmagazin: Im Januar 1987 erschien die erste Ausgabe dieser Zeitschrift, in der Modelle der Feuerwehr Nordstadt vorgestellt worden sind. Ich war damals 12 Jahre alt und bastelte Feuerwehrmodelle mehr oder weniger vor mich hin. Einen solchen Detailreichtum wie bei den Modellen von Jürgen hatte ich jedenfalls noch nie gesehen und eigentlich auch gar nicht für möglich gehalten: Ich war begeistert, wie elektrisiert, und ich habe jeden Artikel über diese Modelle verschlungen und sogar mehr oder weniger auswendig gelernt. Es dauerte nicht lange, bis ich mir nach seinem Vorbild eine eigene, ebenfalls fiktive Modellfeuerwehr überlegt habe: So ist meine Feuerwehr „Thalburg“ entstanden...
Jahrelang habe ich jeden Monat sehnsüchtig auf die braunen Umschläge von Friedel Fiedler aus der Fliederstraße in Bruchköbel gewartet. Und besonders gern erinnere ich mich daran, wie ich Jürgen in Frankfurt am Main persönlich kennengelernt habe. Rasch wurden wir Freunde. Der relativ große Altersunterschied zwischen ihm und mir hat dabei überhaupt keine Rolle gespielt, und viele Jahre lang haben wir uns permanent über Modellautos, Sägeschnitte, Feil- und Poliertechniken ausgetauscht. Wie stolz ich war, als seine und meine Modelle bei einer Ausstellung in Fulda einmal nebeneinandergestanden haben! Er war der Meister, und ich so etwas wie sein Lehrling – darüber hat er gerne Späße gemacht; „junger Padawan“ hat er mich oft genannt.
Bis heute bin ich der Meinung, dass das, was Jürgen gebastelt hat, eigentlich kein Modellbau mehr war, sondern Kunst. So habe ich Jürgen auch als einen Künstler bewundert, und immer wieder habe ich beim Anblick seiner Modelle einfach nur ehrfürchtig gestaunt.
Jürgen hat jeden unterstützt, der ihn um einen Gefallen gebeten hat. Er konnte auf einen schier unendlichen Teilevorrat zurückgreifen, und Fotos, Herstellerunterlagen und andere Dokumente aus seinem beeindruckenden Archiv hat er stets bereitwillig zur Verfügung gestellt. Außerdem war Jürgen ein sehr sensibler, manchmal sogar ängstlicher Mensch, der sich über vieles viele Gedanken gemacht hat. Ein Mensch mit „harter Schale“ – aber einem umso weicheren Kern.
Wer Jürgen kannte, schätzte seine Genauigkeit, seine Sorgfalt, seine Hilfsbereitschaft und seinen Humor – und wer ihn kannte, konnte auch mit seiner manchmal etwas brummigen Art umgehen. Er hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk, das im Feuerwehrmodellbau und für viele Feuerwehrmodellbauer sprichwörtlich „den Maßstab gesetzt“ hat. Jahrelang war Jürgen auch Mentor, Motor und Betreiber des Internetforums www.feuerwehr-nordstadt.info. Und mit seinem 2010 erschienenen Buch über die Fahrzeuge der Feuerwehr Nordstadt hat er sich selbst ein absolut verdientes Denkmal gesetzt. Ein letztes Bastelprojekt, ein Löschboot, muss nun leider unvollendet bleiben.
Lieber Jürgen. Von ganzem Herzen möchte ich mich bei Dir bedanken – für Deine Inspiration, die vielen Gespräche und die gemeinsame Zeit mit unserem Hobby. So seltsam es klingen mag, so sehr trifft es doch zu: Meine Jugend und mein Lebensweg sind durch die Feuerwehr Nordstadt ganz wesentlich bereichert worden.
Jürgen Mischur fehlt schon jetzt, und er wird der gesamten Community sehr fehlen. Das Forum www.feuerwehr-nordstadt.info wird aber auf jeden Fall fortgeführt. Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass die Modelle der Feuerwehr Nordstadt in guten Händen sind und in Kürze auch öffentlich und dauerhaft ausgestellt werden. Das hat Jürgen sich gewünscht, und so wird es auch gemacht. Das habe ich ihm versprochen.
Die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren in Nordstadt und Thalburg - und sicherlich auch an vielen anderen fiktiven Orten - tragen Trauerflor. Ich glaube, das wäre in Jürgens Sinne gewesen.